Zins und Zinseszins kinderleicht erklärt

Letzte Woche waren wir im schönen Münsterland zur Schuleinführung meines Neffen. Neben den vielen Süßigkeiten, Stiften, Radiergummis, etc. gab es natürlich auch den einen oder anderen 10 bzw. 20 Euro Schein. Nachdem mein Neffe die ganzen Scheine (rund 100 Euro) auf einen Haufen gepackt hatte, fragte er seine Mutter, ob er sich jetzt endlich seine Lego Ritterburg kaufen könne. Ja schon sagte seine Mutter zögernd, um ihn gleich zu fragen, ob er das Geld nicht viel lieber Sparen wolle. Nö, er wollte jetzt seine Ritterburg haben. Da war in mir der Missionar erwacht, ich wollte diesen jungen Menschen auf den Weg der (Spar)Tugend zurückbringen 😉 … aber wie erklärt man einem 6 Jährigen Zins und Zinseszins?

Ich hab’s wie folgt erklärt:

Märchenstunde

Es war einmal ein kleiner Junge, der lebte auf einem Bauernhof. Da er gerne jeden Morgen ein Ei essen wollte, kaufte er sich von seinem Taschengeld eines Tages ein eigene Henne. Am nächsten Morgen rannte er aufgeregt in seinen Hühnerstall und siehe da, seine Henne hatte ihm genau ein Ei gelegt. Beim Gedanken an sein tägliches Frühstücksei lief ihm das Wasser im Mund zusammen. Von nun an ging er jeden Morgen in seinen Hühnerstall, um sich sein Frühstücksei zu holen.

Eines Morgens jedoch lag kein Ei im Nest und von der Henne -dem hungrigen Fuchs sei Dank- waren auch nur noch ein paar Federn übrig. Der kleine Junge war tieftraurig und lief zu seinem großen Bruder, um ihm sein Leid zu klagen und ihn um Rat zu fragen. Sein großer Bruder aß schließlich auch jeden Morgen ein Ei, er würde schon eine Lösung haben … und die hatte er auch. Er schenkte seinem kleinen Bruder eine neue Henne (für die größeren unter uns natürlich auch noch einen Hahn) und etwas „Geduld“. Denn das Federtier gab es nur unter der Bedingung, dass der kleine Bruder nicht sofort wieder jeden Tag sein Frühstücksei essen sollte.

Nachdem das neue Huhn den (nun fuchssicheren) Hühnerstall bezogen hatte fing es am nächsten Tag auch gleich mit dem Eierlegen an. Der kleine Junge freute sich sehr und wollte gleich wieder sein Frühstücksei in die Pfanne hauen … gerade noch rechtzeitig fielen ihm die mahnenden Worte seines Bruders ein: „gedulde dich ein wenig und du wirst nicht nur morgens sondern auch mittags und abends ein Ei essen können“. Als folgsamer kleiner Bruder legte er das Ei wieder zurück ins Nest und ließ das Huhn in Ruhe brüten. In den kommenden Wochen ging der Kleine natürlich auch jeden Morgen in den Hühnerstall um sein Huhn zu füttern und zu schauen was denn das nun passieren würde.

Eines Morgens war es dann soweit -ein Wunder war geschehen ;-)- neben der Henne begrüßten den kleinen Jungen 6 muntere Küken. Nun verstand der kleine Junge, was es mit dieser „komischen Geduld“ auf sich hatte und nahm sich vor noch viel geduldiger zu werden. Am Ende des Jahres hatte er einen ganzen (inzwischen noch vergrößerten) Stall voller Hühner. Natürlich war auch die Prophezeiung seines Bruders eingetreten und er konnte morgens, mittags und abends ein Ei essen und darüber hinaus noch Eier auf dem wöchentlichen Bauernmarkt verkaufen. Und wenn er nicht gestorben ist, so betreibt er heute den größten Geflügelhof der Welt 😉

Nun ist das Märchen aus

Nach meiner schönen Geschichte wollte mein Neffe natürlich immer noch sein Lego kaufen gehen, jedoch hat er mir versprochen nicht das XXL-Paket zu kaufen und den Rest auf sein „Mäusekonto“ bei der ortsansässigen Sparkasse zu bringen.

Naja es war kein Sieg auf der ganzen Linie aber auch keine Niederlage 😉

Wie würdet Ihr Kindern das Thema Sparen und Zinsen näherbringen?

Foto: © Thorben Wengert / pixelio.de

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7 Comments

  1. Ulrich 28. August 2014
    • Geldsack Geldsack 30. August 2014
      • Alex von Reich-mit-Plan.de 8. September 2014
        • Geldsack Geldsack 12. September 2014
          • Alex von Reich-mit-Plan.de 22. September 2014
  2. Ulrich 30. August 2014
    • Geldsack Geldsack 5. September 2014

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