Renditeberechnung für Anleihen

Die erwartetet (Kauf) bzw. verbleibende (Verkauf) Rendite einzelner Anleihen stellt für mich einen wichtigen Indikator im Rahmen einer Kauf- bzw. Verkaufsentscheidung dar. Beginnend mit ein wenig Theorie könnt ihr im folgenden Blogbeitrag lesen, wie ich die Renditeberechnung bei Anleihen durchführe.

Theorie zur Renditeberechnung

Im FAZ Börsenlexikon findet sich die folgende Definition: „Die Rendite bezeichnet den Gesamterfolg einer Kapitalanlage, gemessen als tatsächliche Verzinsung des eingesetzten Kapitals.“
Zur Entscheidungsfindung ziehe ich regelhaft die sogenannte Endfälligkeitsrendite (yield to maturity) heran. Hierbei wird die Verzinsung des eingesetzten Kapitals über die gesamte (verbleibende) Laufzeit der Anleihe ermittelt. Hierzu benötigt man folgende Informationen:

  • den gewünschten Nominalwert in EUR (regelhaft mindestens 1.000 EUR) und den aktuell gehandelten Kurs in Prozent (= eingesetztes Kapital),
  • den Zinssatz bezogen auf den Nominalwert (Nominalzinssatz),
  • die zu zahlenden bzw. die einzubehaltenden Stückzinsen und
  • die verbleibende Laufzeit der Anleihe (Restlaufzeit).

Daneben existiert noch die sogenannte laufende Rendite (current yield). Hierbei wird die auf Basis des Nominalwertes erzielbare Verzinsung zum eingesetzten Kapital ins Verhältnis gesetzt. Die Restlaufzeit der Anleihe bleibt völlig unberücksichtigt. Ich benutze die laufende Verzinsung um mir einen ersten Überblick zu verschaffen und bei einem geplanten Kauf zu entscheiden ob sich der weitere Rechercheaufwand lohnt.

Renditeberechnung Online

Im Internet lassen sich mehrere Anleihen-Renditerechner finden. Empfehlen kann ich die Renditerechner der Börse Stuttgart sowie der Baader Bank. Nach Eingabe der WKN bzw. ISIN werden die jeweils verfügbaren Daten (z.B. Nominalzinssatz, letzter Kurs, Stückzinsen etc.) geladen und die erzielbare Rendite angezeigt. Beim Stuttgarter Renditerechner wird einem sogar die nach Abzug der Abgeltungsteuer verbleibende Netto Rendite angezeigt. An ihre Grenzen stoßen die Online Renditerechner, wenn die notwendigen Daten nicht (vollständig) Vorhanden sind bzw. die Anleihenbedingungen vom Standard (z.B. Kündigungsoption durch Emittent, Variabilität in den Zinssätzen, Teilrückzahlungen, etc.) abweichen.

Renditeberechnung in MS Excel

Für meine Renditeberechnungen habe ich mir eine Vorlage in MS Excel erstellt. Die Berechnung der Rendite erfolgt am Beispiel der (sich auch in meinem Depot befindlichen) Rumänien 2019 Anleihe (A1HB9W). Die Beispieldatei könnt ihr hier downloaden (Rendite_RUM_2019).

Im Registerblatt „Verwaltung“ ist als Kaufdatum das aktuelle Tagesdatum voreingestellt. Der Valutawert wird automatisch berechnet (Anleihen mit DE Kennung + 2 Bankarbeitstage, alle anderen + 3 Bankarbeitstage). Ferner ist der Steuersatz auf Kapitalerträge nebst Soli hinterlegt.

In einem ersten Arbeitsschritt werden die Stammdaten und die Zahlungsströmen der Anleihe erfasst. Hinweis: Die Daten hierzu findet man auf nahezu jeder Börsenseite. Sofern ich eine Anleihe kaufen möchte ziehe ich den aktuellen Briefkurs heran, bei einer potentiellen Verkaufsabsicht den aktuellen Geldkurs. Stückzinsen und das eingesetzte Kapital werden an Hand der erfassten Daten berechnet.

Renditeberechnung für Anleihen

Erfassung der Stammdaten und Zahlungsströme

Die Renditeberechnung erfolgt nach der Methode des internen Zinsfußes. In MS Excel wird hierfür die Funktion „XINTZINSFUSS“ bereitgestellt.

Hinweis: Das eingesetzte Kapital und die gezahlten Stückzinsen sind mit negativem Vorzeichen zu erfassen, da es sich hierbei um einen „Geld-AB-fluss“ handelt. Zins- und Tilgungszahlungen sind mit positivem Vorzeichen zu erfassen – hierbei handelt es sich schließlich um einen „Geld-ZU-fluss“. Weitere Informationen zu dieser MS Excel Formel gibt’s hier.

Und fertig ist die Renditeberechnung. Beim heutigen Geldkurs von 111,04 Prozent beträgt die Nachsteuerrendite „magere“1,95 Prozent p.a. Für mich grundsätzlich ein Verkaufssignal. Als nächstes wäre zu prüfen, ob sich im gleichen Risikosegment nichts mit einer höheren Rendite finden lässt …

Okay diese Renditeberechnung hätte man auch mit dem Anleihenrechner der Stuttgarter Börse durchführen können, der übrigens auf eine Nachsteuerrendite von 1,99 Prozent p.a. kommt. Als nächstes möchte ich daher die Renditeberechnung für die in 2020 fälligen Anleihe der Provinz Buenos Aires (A0GJKV) durchführen. Die Beispieldatei könnt ihr hier downloaden (Rendite_PBA_2020).

Neben dem sich im Zeitablauf ändernden Nominalzinssatz sind hierbei die ab 2017 halbjährlich erfolgenden Teiltilgungen zu berücksichtigen. Ferner sind auf Zinsen aus der „Provinz Buenos Aires“ 15 Prozent fiktive Quellensteuer anrechenbar. Die Zinseinkünfte unterliegen daher nur einem Steuersatz (inkl. Soli) von 10,55 Prozent.

Unter Berücksichtigung all dieser Parameter liefert die Anleihe beim Kauf zum heutigen Briefkurs (62,34 Prozent) eine Nachsteuerrendite von 12,28 Prozent p.a. (Der Anleihenrechner der Stuttgarter Börse kommt auf eine Nachsteuerrendite von „nur“ 9,15 Prozent p.a.) Für mich ist die Anleihe (unter Berücksichtigung von Rendite vs. Risiko) ein klarer Kauf.

Als Hausaufgabe könnt Ihr nun die Renditeberechnung für die in 2035 fällige Anleihe der Provinz Buenos Aires (A0GJKR) durchführen. 😉 (Hinweis: halbjährliche Tilgung ab 15.11.2020 zu je 1/30)

Nachtrag 30.06.2014: Die Beispieldatei könnt ihr hier downloaden.

Foto: © Thorben Wengert / pixelio.de

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8 Comments

  1. Fried 26. Juni 2014
  2. Henrik 27. Juni 2014
    • Geldsack Geldsack 30. Juni 2014
      • Henrik 7. Juli 2014
        • Geldsack Geldsack 8. Juli 2014
  3. Wolfgang 26. Juli 2016
    • Geldsack Geldsack 9. August 2016
  4. Wolfgang 10. August 2016

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