Effekten-Lombardkredit

Wiederholt finden sich in Internetforen Beiträge die den Kauf von Wertpapieren auf Kredit befürworten. In Zeiten niedrige Kreditzinsen und steigenden Börsenkurse mag das sicherlich eine lohnende Sache sein. Allerdings sollte man die damit verbundenen Risiken kennen. Der folgende Blogbeitrag geht daher nach ein wenig Theorie insbesondere auf die Chancen und Risiken eines Wertpapierkaufs mittels Lombardkredit ein.

Begriffsdefinition

Unter einem Lombardkredit auch (Effektenlombardkredit, Effektenkredit oder Wertpapierkredit) versteht man die bankseitige Einrichtung einer Kreditlinie gegen Verpfändung der im Wertpapierdepot befindlichen Wertpapiere.

Abschluss des Kreditvertrags und Höhe der Kreditlinie

Wie so häufig im Leben, muss man auch hierfür einen (Kredit)antrag ausfüllen. Nachdem man seine Angaben zum durchschnittlichen Jahreseinkommen, freiverfügbarem Einkommen, Schulden und (Netto)vermögen gemacht und die Schufa-Klausel akzeptiert hat stellt sich noch die Frage nach der Höhe der Kreditlinie. Diese ist abhängig vom anzusetzenden Beleihungswert der im Depot enthaltenen Wertpapiere. Der Beleihungswert je Wertpapier ist von Bank zu Bank unterschiedlich und schwank zwischen 0 (z.B. Optionsscheine) und 90 (z.B. AAA-Anleihen) Prozent des aktuellen Kurswertes. Teilweise finden sich die Beleihungsgrenzen in den AGB, in anderen Fällen bekommt der Anleger diese Information nur auf Nachfrage genannt. Die von mir gehaltenen Anleihen haben einen Beleihungswert zwischen 30 und 50 Prozent vom Kurswert. Praktische finde ich, dass meine Onlinebank mir tagesaktuell die maximale Kredithöhe anzeigt. Da es sich hierbei erstmal nur um einen Kreditrahmen handelt, kann man den genannten Maximalbetrag in den Kreditantrag eintragen. Es ist jedoch kein Problem erstmal einen Betrag unterhalb des Maximalwertes zu beantragen und bei Bedarf (Depotwachstum) aufzustocken.

Gebühren und Höhe der Kreditzinsen

Gebühren und Kreditzinsen unterscheiden sich von Kreditinstitut zu Kreditinstitut. Bei den Onlinebanken fallen für die Bereitstellung der Kreditlinie regelhaft keine Bearbeitungsgebühren / Bereitstellungsprovisionen an. Die Spanne der Onlinebanken bei den Kreditzinsen liegt aktuell zwischen 3,75 und 6,25 Prozent p.a. Bei den deutschen Onlinebanken sind diese Konditionen, anders als bei den „klassischen“ Banken, regelhaft nicht verhandelbar.

Chancen / Vorteile eines Lombardkredits

Das Zauberwort heißt „Leverage-Effekt“. Durch die Aufnahme von Fremdkapital kann die Eigenkapitalrendite des Anlegers gesteigert werden. Dieser positive Effekt hält an, solange die Gesamtkapitalrendite (Eigen- und Fremdmittel) größer ist als der zu zahlende Kreditzins.

Beispiel:
Kauf einer mit 5 Prozent verzinsten Anleihe mit 10.000 EUR Eigenkapital, Beleihungswert 80 Prozent (Fall a) sowie Aufstockung dieser Anleihe in Höhe von 8.000 EUR durch Aufnahme eines Lombardkredits (Fall b)

Lombardkredit
Die Eigenkapitalrendite hat sich durch den Einsatz des Fremdkapitals von 5 auf 6 Prozent erhöht. Dieser Effekt lässt sich durch die erneute Beleihung der auf Kredit erworbenen Anleihe weiter steigern. Bei weiterhin 80 Prozent Beleihungswert, erhält man von der Bank weitere 6.400 EUR Kredit. Diese zu den gleichen Konditionen angelegt, erhöht die Eigenkapitalrendite auf 6,80 Prozent.

Ein weiterer positiver Aspekt des Lombardkredits ist, dass der Anleger keine Liquidität auf dem Depotverrechnungskonto vorhalten muss. Diese Konten werden häufig nicht verzinst. Der Anleger kann somit seine freie Liquidität auf einem verzinsten Tagesgeldkonto parken und nach einem Wertpapierkauf auf das Depotverrechnungskonto überweisen. Bei Valutagenauer Überweisung fallen keine Kreditzinsen an.

Risiken / Nachteile eines Lombardkredits

Mit steigenden Kreditzinsen reduziert sich der positive „Leverage-Effekt“ auf Null oder wird gar negativ. In solch einem Fall wird der Anleger die Auf Kredit erworbenen Wertpapiere verkaufen. Problematisch wird es, wenn sich durch die „massenhafte“ Auflösung der Kreditkäufe Kursschwankungen bei den zu verkaufenden Wertpapieren ergeben. Hierdurch kann es für den Anleger sogar zu Verlusten beim Eigenkapital kommen.
Sollten (aus welchen Gründen auch immer) Kursschwankungen auftreten oder die Bank den Beleihungswert einzelnen Wertpapiere reduzieren und dadurch keine ausreichende Deckung der in Anspruch genommenen Kreditlinie mehr vorhanden sein, fordert die Bank die Stellung weiterer Sicherheiten (Margin-call). Ist der Anleger hierzu nicht in der Lage, werden nach Fristablauf einzelne bzw. alle Wertpapiere aus dem Depot zwangsverkauft. Hierdurch entstehem dem Anleger regelhaft (hohe) Verluste. Wer in 2008 / 2009 mit einem hohen Kreditanteil unterwegs war, kann hiervon „ein Lied singen“.

Steuerliche Behandlung

Seit der Einführung der Abgeltungssteuer (01.01.2009) können gezahlte Zinsen auf einen Wertpapierkredit steuerlich nicht mehr als Schuldzinsen geltend gemacht werden. Dies hat zur Folge, dass der Zinsunterschied (Lombard- vs. Anleihenzinssatz) entsprechend groß sein muss um eine positive Nettorendite zu erhalten.

Lombardkredit nach Steuern

Fazit

Der Lombardkredit ist ein zweischneidiges Schwert und sollte vom (Privat)anleger mit Vorsicht eingesetzt und überwacht werden. Hierzu empfiehlt es sich einen maximalen Kreditrahmen zwischen 10 und 25 Prozent des Depotwertes zu vereinbaren.
Mein persönlicher Lombardrahmen beträgt aktuell 25 Prozent des Depotwertes. Bisher habe ich diesen zu maximal 10 Prozent des Depotwertes und dann auch nur kurzfristig (14 Tage) in Anspruch genommen.

Wie steht es um euren Lombardkredit?

Foto: © Q.pictures / pixelio.de

Werbung

Leave a Reply