Kapitalanlage und die lieben Steuern

In meinem Depotupdate KW 26 / 2017 hatte ich vom Kauf der IKB Funding Trust II berichtet. Grund hierfür war, dass die Gesellschaft bzw. der Eigentümer Lonestar die momentan nicht verzinste Anleihe zu einem Kurs von 55 Prozent zurückkauft wollte. Die Abwicklung teilte sich je 1.000 Euro Nominalwert in eine Barkomponente in Höhe von 150 Euro = 15 Prozent und in 400 Euro = 40 Prozent der neuen mit 4,5 Prozent verzinsten LT2 Nachranganleihe A2E4QG. Bei einem Kaufpreis von knapp über 53 Prozent für die alte Anleihe also ein Freelunch! So dachte ich, zumindest bis ich die erste Abrechnung von Flatex in den Händen hielt. Hatte ich hier die Rechnung etwa ohne die Steuern gemacht?

Steuern in der Theorie

Wie in der Vergangenheit am Beispiel intransparenter Investmentfonds auf dem Blog thematisiert, kann einem Kapitalanleger das Thema Steuern ganz schön die Rendite vermiesen. Doch der Reihe nach. Wir wären nicht Weltmeister im Bereich steuerliche Vorschriften, wenn es nicht auch zu obigem Anleihentausch mit Barkomponente eine Regelung geben würde – richtig eine kurze Web-Recherche fördert ein BMF-Schreiben vom 18.01.2016 zu Tage.

Die relevante Passage in diesem Schreiben lässt sich unter der Randziffer 66a finden. Sie lautet wie folgt:

Werden im Rahmen von Umschuldungsmaßnahmen […] die ursprünglich ausgegebenen Wertpapiere […] gegen neue Wertpapiere getauscht, ist als Veräußerungserlös der hingegebenen Wertpapiere und als Anschaffungskosten der erhaltenen Wertpapiere der Börsenkurs der erhaltenen Wertpapiere anzusetzen.

Sprich alles steht und fällt mit dem ersten Börsenkurs der neuen Wertpapiere – je niedriger dieser ist, desto steuerlich günstiger ist es für den Kapitalanleger. Der erste Börsenkurs der neuen LT2 Anleihe war glatt 102 Prozent. Somit waren alle Größen auf dem Tisch und die Abrechnung konnte beginnen. In meinem Fall sieht eine steuerlich korrekte Abrechnung des Umtauschs wie folgt aus:

Anschaffungskosten:
10.000 Euro x 53,30 Prozent = 5.330 Euro

Verkaufserlös:
10.000 Euro x 15 Prozent Barkomponente + 10.000 Euro x 40 Prozent Nennwert neuer LT2 x 102 Prozent erster Kurs =1.500 Euro + 4.080 Euro = 5.580 Euro

Steuerlicher Gewinn:
5.580 Euro Verkaufserlös – 5.330 Euro Anschaffungskosten = 250 Euro

Steuerbelastung inkl. Soli:
250 Euro x 26,375 Prozent = 65, 94

Steuern in der Praxis Teil 1

Der Blick auf den Kontostand belehrte mich eines Besseren! Flatex hatte einen Gewinn von 4.870 Euro ermittelt. Dies führte zu einer Steuerzahllast in Höhe von 1.284,46 Euro. Nach Steuern also ein sehr bescheidenes Geschäft.

Was war geschehen? Flatex hatte den verringerten Nominalwert der neuen LT2 Anleihe schlicht und einfach nicht berücksichtigt – bei der Abrechnung wurde folglich von einem 1:1 Umtausch ausgegangen.

Auf meine Bitte um Korrektur erhielt ich leider nur die E-Mail, dass Seitens Flatex eine im Sinn des BMF-Schreiben Randziffer 66a korrekte Abrechnung erfolgt sei. Ferner fand sich der Hinweis, dass man sich bei der Abrechnung – wie von der Finanzverwaltung vorgeschrieben – streng an die Daten von WM-Datenservice gehalten habe. Die Datenbank der Firma WM-Datenservice ist für die Banken so etwas wie der heilige Gral. Hier finden sich alle Infos zu „sämtlichen“ gehandelten Wertpapieren. Augenscheinlich sind diese Informationen manchmal nicht ganz stimmig …

Steuern in der Praxis Teil 2

Entsprechend schlecht gelaunt war die Anlegerseele am vergangenen Donnerstag. Okay was tun? Flatex verklagen? Sich das Geld im Rahmen der Steuererklärung wiederholen? Auswandern um zukünftig dem Steuerchaos zu entgehen? Oder erstmal Bondboard lesen – denn „du bist nicht allein“ 😉 .

Gott sei Dank hatten einige der Mit-Anleger auch ihr Depot bei den Flachechsen und waren somit auch „betroffen“. Dank der vorhandenen „Schwarm-Intelligenz“ sind wir auf ein Buch des Vorsitzenden des Arbeitskreises „Kapitalmaßnahmen und Steuern“ von WM-Datenservice gestoßen.

Und siehe da in diesem Buch findet sich exakt ein Beispiel zum Anleihentausch mit unterschiedlichen Nominalwerten. Nachdem mehrere Bondboardler nochmals mit der Fachabteilung bei Flatex bzw. BIW-Bank gemailt und telefoniert hatten, hatte die Bank ein Einsehen mit uns armen Kapitalanlegern. Die Abrechnung wurde unter korrekter Berücksichtigung des Umtauschverhältnisses neu ausgestellt.

Fazit

Ende gut alles gut – nach Steuern doch noch ein gutes Geschäft gemacht. Ich kann daher nur jedem Anleiheninvestor wärmsten empfehlen sich regelmäßig auf dem Bondboard zu informieren. Die neue LT2 Anleihe wird erstmal noch eine Weile in meinem Depot bleiben dürfen – 4,5 Prozent Zinsen sind für heutige Verhältnisse ja schon fast High Yield 😉

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