Intransparente Investmentfonds

Auf Grund der Kommentare im Blog habe ich mich mit dem Thema Besteuerung von Intransparenten Investmentfonds beschäftigt. Dank meines Investments in den Global X SuperIncome Preferred ETF Fonds bin ich hiervon auch „betroffen“ … :-(

Wann ist ein Investmentfonds intransparent?

Für die Besteuerung von Investmentfonds ist das Investmentsteuergesetz (InvStG) maßgeblich. Entsprechend §5 InvStG muss die jeweilige Fondsgesellschaft die für eine Besteuerung notwendigen Daten (z.B. Angabe der Ausschüttung, der erwirtschafteten Erträge, der ausgeschütteten Erträge, der thesaurierte Erträge, etc.) auf Basis des deutschen Steuerrechts ermitteln und in deutscher Sprache im elektronischen Bundesanzeiger veröffentlichen. Die Richtigkeit der Angaben ist von einem Steuerberater bzw. Wirtschaftsprüfer zu bestätigen.

Folgen der Intransparenz

Erfüllt ein (in- oder ausländischer) Investmentfonds nicht alle geforderten Publizitäts- und Bescheinigungspflichten, so wird dieser als sogenannter intransparenter Investmentfonds eingestuft. Dies hat eine pauschale Besteuerung zur Folge. Entsprechend §6 InvStG sind

  • 70 Prozent des Wertzuwachses der sich aus dem ersten im Kalenderjahr festgesetzten Rücknahmepreis und dem letzten im Kalenderjahr festgesetzten Rücknahmepreis ergibt,
  • mindestens jedoch 6 Prozent des letzten im Kalenderjahr festgesetzten Rücknahmepreises

zu versteuern. Wird ein Rücknahmepreis nicht festgesetzt (Regelfall bei ETF), so tritt an seine Stelle der Börsen- oder Marktpreis.
Identifikation eines Intransparenten Investmentfonds

Der geneigte Leser wird sich sicherlich fragen, wie er die steuerliche Behandlung seines Fonds am besten herausbekommt. Ganz einfach über den Bundesanzeiger. Hier die ISIN / WKN eingeben und nach der „Bekanntmachung der Besteuerungsgrundlagen gemäß § 5 Abs. 1 InvStG“ Ausschau halten. Gefunden – super der Fonds wird „normal“ besteuert. Findet sich diese Bekanntmachung nicht bzw. sind überhaupt keine Veröffentlichungen vorhanden (wie beim Global X der Fall), ist der Fonds als intransparent einzustufen.

Praxisbeispiel

Momentan besitze ich 200 Anteile am Global X. Für den 2. Januar 2015 habe ich (ohne Gewähr) einen Kurs von 12,07 Euro an der Berliner Börse gefunden. Den Rücknahmepreis am Ende des Jahres 2015 setze ich mit 14,00 Euro an (Jahreshoch waren 13,96 Euro). Der Wertzuwachs in 2015 würde demzufolge 1,93 Euro je Anteil betragen. Dies führt je Anteil zu folgender Bemessungsgrundlage:

  • 70 Prozent des Wertzuwachses sind 1,35 Euro
  • 6 Prozent des Rücknahmepreise sind 0,84 Euro

Somit unterliegen je Fonds-Anteil 1,35 Euro der 25 prozentigen Abgeltungssteuer. Je Fonds-Anteil führt dies (ohne Soli) zu einer effektiven Steuerbelastung von 0,34 Euro. Bei meinen 200 Anteilen kommen dadurch 68 Euro an zu zahlender Steuer zusammen. Monatlich erhalte ich eine Netto Ausschüttung von rund 10 Euro. Auf Jahressicht ergeben sich hierdurch Einnahmen von 120 Euro. Die „Strafsteuer“ würde in meinem Beispielfall rund die Hälfte der Ausschüttungen aufbrauchen. Das ist natürlich alles andere als berauschend!

Lichtblick?

Im Oktober 2014 gab es einen ersten Lichtblick. Der Europäische Gerichtshof (EuGH-Urteil vom 9. Oktober 2014 (C-326/12) hat die bisherige Praxis der pauschalierten Besteuerung von intransparenten (ausländischen) Fonds für nicht zulässig erklärt. Sie verstoße gegen den vom EU-Recht garantierten Grundsatz des freien Kapitalverkehrs.
Im Februar diesen Jahres hat die deutsche Finanzverwaltung mit dem BMF-Schreibens vom 4.2.2015 (IV C 1 – S 1980-1/11/10014: 005) reagiert. Man schiebt den „schwarzen Peter“ einfach dem Steuerpflichtigen zu. Dieser könnte doch schließlich „selbst die entsprechenden Unterlagen oder Informationen beibringt, mit denen sich die tatsächliche Höhe seiner Einkünfte nachweisen lässt.“ Die nach Aufforderung durch das Finanzamt vorzulegenden Unterlagen sind getrennt nach Mindestangaben und Optionale Angaben im BMF Schreiben aufgeführt.
Im Einzelfall wird es sicherlich möglich – wenngleich nicht einfach sein, die gewünschten Unterlagen beizubringen. Insbesondere könnte es erforderlich sein einen Steuerberater / Wirtschaftsprüfer zu beauftragen, um die Richtigkeit der Angaben zu bescheinigen (erster Punkt der Mindestanforderungen) und das alles um (in meinem Beispielfall) 68 Euro Steuern zu sparen ?!

Fazit

Wie immer ist das mit dem deutschen Steuerrecht so eine Sache. Dank des EuGH-Urteil und es hieraus resultierenden BMF-Schreibens hat der Anleger (zumindest theoretisch) die Möglichkeit der „Strafsteuer“ zu entgehen. Wem das zu viel Aufwand ist, der sollte bis zur zu einer gesetzlichen Umsetzung des EuGH-Urteils die Finger von solchen Fonds lassen.

Persönlich werde ich die Fondsanteile via Schenkung auf das Depot meiner Kinder übertragen. Dank bisher nicht ausgeschöpftem Freibetrag pressiert die Straffsteuer die nächsten Jahre nicht weiter und was der liebe Gesetzgeber (in ein paar Jahren) entscheidet kann ich (bzw. meine Kinder) so entspannt abwarten …

Wie (in)transparent sind Eure Fonds?

© 2015, Anton @ finanzielle-freiheit-passives-einkommen.eu All rights reserved.

Foto: © Thorben Wengert / pixelio.de

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9 Comments

  1. Bastian H. 4. Juni 2015
    • Geldsack Geldsack 4. Juni 2015
  2. Stefan 1. August 2015
    • Geldsack Geldsack 3. August 2015
  3. Andy 29. April 2016
    • Geldsack Geldsack 2. Mai 2016
  4. Stephan 26. Juli 2016

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