Gewinnspiel: Sie haben 200.000 EURO gewonnen ;-)

Gewinne, Gewinne, Gewinne – zwar (noch) nicht bei mir 😉 dafür bei den 1&1 Tochtergesellschaften web.de und GMX. Die Gesellschaften feiern ihr 20 Jähriges Bestehen und veranstalten ein Gewinnspiel mit diversen Preisen. Als Hauptgewinn sind 20 Jahre Mietfrei wohnen oder 200.000 € in bar ausgelobt. Tolle Gewinnmöglichkeit – doch wie sollte man sich entscheiden?

Was sagt das Finanzamt zum Gewinnspiel?

Normalerweise erhält Vater Staat von jedem (zusätzlichen) Einkommen seinen Zehnt. Glücklicherweise ist das bei Preisgeldern aus Gewinnspielen nicht (immer) der Fall. Laut BMF Schreiben vom 5.9.1996 (BStBl I 1996, 1150) unterliegen Preisgelder nur dann der Einkommensteuer, wenn ein untrennbarer wirtschaftlicher Zusammenhang zwischen dem Preisgeld und einer im Einkommensteuergesetz (EStG) benannten Einkunftsart besteht. Dies ist z.B. dann der Fall, wenn man einen Preis für sein „wissenschaftliches Schaffen“ erhält.

Somit kann der glückliche Jackpot Gewinner die 200.000 Euro Barprämie aber auch die monatliche Mietzahlung steuerfrei vereinnahmen. Ob das im Verlauf der kommenden 20 Jahre so bleiben wird, steht allerdings in den Sternen.

Wer es steuerlich einfach und sicher haben will, sollte bei Gewinnspielen daher zur Barprämie „greifen“.

Wir zahlen keine Miete – 20 Jahre lang!

Leider konnte ich im berühmten Kleingedruckten zum Gewinnspiel nichts zur Höhe der maximalen monatlichen Mietzahlung finden. Ich nehme jedoch an, dass diese begrenzt sein wird – zumindest in der Gesamtsumme über 20 Jahre.

Aber nehmen wir mal folgendes Beispiel. Familie Muster wohnt in einem Großstädtischen Ballungsgebiet und zahlt 10 Euro pro qm Kaltmiete. Gemeinsam mit ihren beiden kleinen Kindern bewohnt die Familie eine 4 Zimmerwohnung mit 100qm. Die monatliche Kaltmiete beträgt folglich 1.000 Euro.

Somit muss Familie Muster pro Jahr 12.000 Euro weniger Kosten im Familienbudget einplanen. Über 20 Jahre macht das eine Einsparung von 240.000 Euro.

Die gesparten Mietkosten möchte Vater Muster gerne für seine Kinder zwecks Finanzierung von Ausbildung, Auto etc. anlegen. Daher richtet er 2 ETF-Sparpläne mit monatlich je 500 Euro ein.

Bei einer unterstellten Nachsteuerrendite von 5 Prozent pro Jahr haben beide Kinder mit Anfang 20 (sprich nach 20 Jahren Laufzeit) ein Vermögen von jeweils rund 204.000 Euro zur Verfügung. Ganz schön viel findet Mutter Muster. Sie möchte gerne die monatlichen Sparraten je Kind auf 250 Euro reduzieren und vom übrigen Geld die (dann häufigeren und längeren) Familienurlaube bezahlen. Bei halber Sparkraft ergibt sich natürlich auch nur ein halbes Vermögen nach 20 Jahren. Aber die rund 102.000 Euro pro Kind sollten für ein Studium / Auslandsjahr etc. schon reichen …

Wow jedes Jahr toll in den Urlaub fahren und dabei nach 20 Jahren in Summe 204.000 Euro angespart zu haben ist eine coole Sache! Hat diese Sache nicht auch einen Haken? Ein Haken, wäre die Einstellung der Zahlung durch GMX und Co nach ein paar Jahren. Grund hierfür könnte schlicht und einfach die Insolvenz der Gesellschaft. Dies kann jedoch abgesichert werden, in dem GMX und Co einen entsprechenden Kapitalstock auf ein Notaranderkonto einzahlt. Sollte ein Kapitalstock bei einer Versicherung eingezahlt werden, so droht auch hier grundsätzlich das Insolvenzrisiko. Schlimmer jedoch wäre in diesem Fall, dass die Versicherung das Kapital zu niedrigen Zinssätzen anlegt und es daher nicht für 20 Jahre reicht.

Ein weiteres Risiko besteht natürlich in der tatsächlichen Wertentwicklung des ETF Portfolios.

Nur Bares ist Wahres!

Familie Muster möchte hinsichtlich einer möglichen Insolvenz von GMX und Co kein Risiko eingehen und lässt sich die 200.000 Euro „bar“ auszahlen.

Kommt das Geld „nur“ auf ein Tagesgeldkonto kann man davon bei einer unterstellten Verzinsung von 1 Prozent im Jahr rund 18 Jahre lang seine Miete bezahlen. Mhh, das ist ja weniger als „versprochen“ wurde. Also schlägt Vater Muster vor alles in einen globalen ETF zu packen. Bei einer durchschnittlichen Nachsteuerrendite von 5 Prozent und vollständigem Kapitalverzehr kann Familie Muster rund 34 Jahre lang hiervon ihre Miete bezahlen.

Möchte Vater Muster lebenslang keine Miete mehr zahlen, braucht er bei obiger Renditeerwartung ein Kapital von 246.500 Euro. Diese zusätzliche Geld ist „relativ zügig“ angespart, indem Familie Muster zunächst etwas mehr als 4 Jahre die Miete noch aus dem eigenen Budget bestreitet und im Gegenzug die 200.000 Euro im ETF arbeiten lässt.

Aber auch hier setzt such Mutter Muster durch – 34 Jahre mietfrei wohnen sind ihr mehr als genug. Als Vater Muster dann vorschlägt, die monatlich frei werdenden 1.000 Euro anzusparen um in 34 Jahren über 750.000 Euro auf der hohen Kante zu haben, kann ihn Mutter Muster jedoch davon überzeugen, dass ein Sparen nur um des Sparens willens auch nicht zielführend ist. So einigt man sich im „Familienrat“ dann auf das schon oben beschriebene 50 / 50 Modell (Sparen für die Zukunft der Kinder / Konsum im hier und jetzt).

Ob die Zahlenspielerei in der Realität aufgeht, hängt natürlich von der tatsächlichen Wertentwicklung des ETF in den kommenden Jahrzehnten ab. Um dieses Risiko etwas abzupuffern könnte man die ersten 5 Jahre das Spargeld (500 Euro je Monat) zunächst auf einem Tagesgeldkonto ansparen. Dies hat den Vorteil, dass man bei einem „Börsencrash“ nicht gezwungen ist (so viele) Anteile zu niedrigen Kursen zu verkaufen.

Fazit

Mein Planspiel hat mal wieder die Macht des Zinseszins im Verlauf der Zeit unter Beweis gestellt. Ob es tatsächlich so kommt weiß man bekanntlich erst hinterher – dennoch würde ich mich für Variante 2 entscheiden und mir die 200.000 Euro Preisgeld aus dem GMX & Co Gewinnspiel „bar“ auszahlen lassen.

Wie würdet ihr euch entscheiden?

© 2017, Anton @ finanzielle-freiheit-passives-einkommen.eu All rights reserved.

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5 Comments

  1. Mike 23. März 2017
    • Geldsack Geldsack 23. März 2017
  2. Monkeyboy 3. April 2017
  3. Ludwig 16. April 2017
    • Geldsack Geldsack 27. April 2017

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