Geldanlage am kurzen Laufzeitende

Die berühmte Zinswende – kommt sie oder kommt sie nicht? Nach der Veröffentlichung der Zinsentscheidung der US-Notenbank heute Abend sind wir alle schlauer …

Doch was bedeutet die mögliche Zinswende eigentlich für den geneigten Anleiheninvestor? Steigende Zinsen führen regelhaft zu Kursverlusten am Anleihenmarkt. Lang laufende Anleihen sind von diesem sogenannten Zinsänderungsrisiko besonders stark betroffen. Denn wer möchte schon eine 3 prozentige Unternehmensanleihe mit 15 Jahren Restlaufzeit zum Kurswert von 100 Prozent kaufen, wenn man auf einen Bundesschatzbrief 5 Prozent bekommt …

Grundsätzlich hat man als „Anleihen- oder Zinsinvestor“ im Vorfeld bzw. zu Beginn der Zinswende die Möglichkeit in sogenannten Kurzläufern – Anleihen mit einer Restlaufzeit zwischen ein und drei Jahren bzw. in Termingelder umzuschichten. Alternativ kann man in variabel verzinslichen Anleihen umschichten – worauf ich aber hier nicht weiter eingehen werde.

Für eine Geldanlage am kurzen Laufzeitende sehe ich folgende Alternativen: Tagesgeld bzw. Geldmarktfonds, Festgeld bzw. Sparbriefe, Kurzläufer bzw. Kurzläuferfonds.

Tagesgeld bzw. Geldmarktfonds:

Die Verzinsung der Tagesgeldkonten liegt im Schnitt bei einem Prozent. Bei dem ein oder anderen „Lockangebot“ für Neukunden gibt es bis zu drei Prozente. Diese Neukundenangebote sind regelhaft jedoch auf wenige Monate beschränkt oder mit weiteren Aktivitäten (Depotwechsel, etc.) verbunden.

Vorteil: Das Geld ist jederzeit verfügbar, keine Kursschwankungen, je nach Anbieter und Höhe der Einlage zu 100 Prozent im Rahmen der gesetzlichen Einlagensicherung abgesichert

Nachteil: Rendite unter Berücksichtigung von Steuern und Inflation ist momentan negativ

Geldmarktfonds sind eine mögliche, in meinen Augen jedoch keine wirkliche Alternative zum Tagesgeld. Die Rendite unterliegt den typischen (wenn auch geringen) Schwankungen eines Wertpapiers (täglicher Börsenkurs). Ferner schmälern zusätzliche Kosten wie z.B. Ausgabeaufschlag, An- und Verkaufsspesen, etc. den Ertrag.

Festgeld bzw. Sparbriefe:

Die Verzinsung für Festgeldanlagen und Sparbriefe mit 6 bis 36 Monaten Laufzeit liegt zwischen unter einem und über drei Prozent. Möchte man eine höhere Verzinsung erzielen, muss man sich länger binden. Flexibilität wiederum kostet Rendite.

Da wir beides wollen, bauen wir uns eine sogenannte Festgeld- oder Sparbriefleiter. Hierzu wählen wir uns ein Intervall von z.B. 6 Monaten und teilen den Anlagebetrag in 6 (gleiche) Teile (36 Monate / 6 Monate) auf. Anschließend legen wir die jeweilige Tranche zu den jeweils besten Konditionen an. Die erste Tranche legen wir für 6 Monate, die 2. Tranche für 12 Monate usw. an. Hierdurch wird alle 6 Monate ein Teil des Anlagebetrags fällig und kann entweder erneut als Festgeld (Laufzeit 36 Monate) angelegt oder zum Kauf von Anleihen etc. genutzt werden.

Vorteil: keine Kursschwankungen, je nach Anbieter und Höhe der Einlage zu 100 Prozent im Rahmen der gesetzlichen Einlagensicherung abgesichert, höhere Rendite als eine reine Tagesgeldanlage

Nachteil: Geld ist (ohne „Strafzahlung“) nicht jederzeit verfügbar, Rendite unter Berücksichtigung von Steuern und Inflation ist maximal ein „Nullsummenspiel“ oder auch negativ.

Kurzläufer bzw. Kurzläuferfonds

Die Verzinsung der Kurzläufer mit Rückzahlung in 2015 und 2016 ist im Wesentlichen abhängig von der Bonität der Schuldner. Hier klafft die Schere weit auseinander. Denn es sind Renditen von unter 1 bis hin zu über 20 Prozent (Venezuela A0DZ45) erzielbar. Auch hier sollte man sich eine Kurzläuferleiter bauen um unter Berücksichtigung von Chancen und Risiken eine höhere Rendite zu erzielen. Vorstellbar wäre eine Mischung aus Unternehmens- und Staatsanleihen.

Beispielhaft seien die folgende Anleihen (die sich teilweise auch in meinem Depot befinden) genannt:

  • *sehr spekulativ* Venezuela, A0DZ45, fällig Mrz. 2015, Rendite ca. 24,1 Prozent
  • PCC SE, A1YCSX, fällig Okt. 2015, Rendite ca. 5,8 Prozent
  • Zypern, A1A238, fällig Nov. 2015, Rendite ca. 2,7 Prozent
  • Air Berlin, AB100A, fällig Nov. 2015, Rendite ca. 3,5 Prozent
  • *50 TEUR Mindeststücklung* IKB Deutsche Industriebank, A0EUEC, fällig Jan. 2016, Rendite ca. 6,5 Prozent
  • IKB Deutsche Industriebank, A0A73M, fällig Sep. 2016, Rendite ca. 5,6 Prozent

Vorteil: Rendite unter Berücksichtigung von Gebühren, Steuern und Inflation ist positiv, Anleihen können börsentäglich verkauft werden

Nachteil: Anleihen unterliegen den üblichen Kursschwankungen, Zahlungsausfall bei einzelnen Schuldner möglich

Kurzläuferfonds können in Einzelfällen eine Alternative / bzw. Ergänzung zum Anleihen-Picking darstellen. Laut iShares betrug die Rendite des Euro Government Bond 1-3yr (A0J21A) im Zeitraum Juni 2013 bis Juni 2014 stolze 3,4 Prozent. Bei solchen Fonds kommt es jedoch sehr stark auf die Kostenstruktur und den An- und Verkaufsspread an.

Fazit:

Auch bei einer Geldanlage am kurzen Laufzeitende erwarte ich eine entsprechende Rendite. Hierfür bin ich auch bereit Risiken einzugehen und investiere daher in aus meiner Sicht ausreichend sichere Kurzläufer. Tagegeld nutze ich regelhaft nur zum kurzfristigen Parken zwischen 2 Investments.

Foto: © Tony Hegewald / pixelio.de

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