Der Stückzinstrick

steuerliche Optimierung zum Jahresende

Der Stückzinstrick ist nichts Neues und wurde von mir in der Vergangenheit bereits mehrfach angewandt. Vor dem Hintergrund des langsam herannahenden Jahresendes, ist es mir dennoch einen Blogbeitrag wert. Und keine Sorge der Stückzinstrick ist völlig legal, es handelt sich schließlich nicht um eine Steuerhinterziehung oder -verkürzung sondern nur um eine Periodenverschiebung…

Wer die Hintergründe zum Thema Anleihen und den genannten Begrifflichkeiten nachlesen möchte, dem sei die Artikelserie „Basiswissen Anleihen“ (Teil 1, Teil 2, Teil 3) und der Artikel zur „Renditeberechnung für Anleihen“ empfohlen.

Definition

Unter dem Stückzinstrick versteht man die Verlagerung von steuerpflichtigen Einkünften aus einer Veranlagungsperiode in die folgende Veranlagungsperiode.

Warum „muss“ man den Stückzinstrick anwenden?

In bestimmten Situationen kann es notwendig werden, dass die (Kapital)einkünfte im laufenden Jahr unterhalb einer bestimmten Grenze bleiben. Folgende Szenarien sind denkbar:

  1. Die Kapitaleinkünfte des aktuellen Jahres übersteigen den Sparer-Pauschbetrag. In den kommenden Jahren liegen die Kapitaleinkünfte jedoch wieder drunter. Durch die Periodenverschiebung kommt es zu einer optimalen Ausnutzung des Sparer-Pauschbetrag.
  2. Die (Kapital)einkünfte des aktuellen Jahres übersteigen die Freigrenzen zur Familienversicherung oder das steuerfreie Existenzminimum. Durch die Periodenverschiebung können Kinder oder Ehepartner weiterhin von den Vorteilen der kostenfreien Familienversicherung profitieren und die erzielten Einkünfte der Kinder bleiben weiterhin steuerfrei. Im vergangen Jahr war dies bei meiner Tochter der Fall. Bedingt durch die vorzeitige Kündigung einer Anleihe kam es zu nicht geplanten Kapitalerträgen in 2013. Somit bestand hier Handlungsbedarf.

Ferner kann es vorkommen, dass die Kapitaleinkünfte im laufenden Jahr unterhalb des Sparer-Pauschbetrag verbleiben. Der Stückzinstrick hilft uns den nicht verbrauchten Teil zu konservieren und in späteren Veranlagungsperioden zu nutzen.

Auswahl einer geeigneten Anleihe

Stückzinstrick geeignet klassische Anleihen sollten die folgenden Bedingungen erfüllen:

  1. hoher Zinskupon (je höher der Kupon desto höher die zu zahlenden Stückzinsen je 1.000 Euro Nominalwert)
  2. Kupontermin möglichst zeitnah im Folgejahr (bei einem Kauf zum „Jahresende“ ist die Anleihe somit maximal mit Stückzinsen beladen)
  3. geringes Emittentenrisiko (wir wollen nur Erträge in die nächste Periode verlagern und keine echten Verluste produzieren)
  4. hohe Liquidität verbunden mit einem geringen An- und Verkaufsspread (nur relevant, wenn die gewählte Anleihe nicht im Folgejahr ausläuft und man die Anleihe wieder verkauft)

Die Rendite bleibt bei der vorgenannten Betrachtung regelhaft außen vor. Dennoch achte ich darauf, dass ich unter Berücksichtigung der Transaktionskosten wenigsten bei plus / minus Null lande.

Da solche Anleihen – in Zeiten sinkender Zinskupons- leider sehr dünn gestreut sind, habe ich im letzten Jahr meine Suche auf Aktienanleihen ausgeweitet. Im Gegensatz zu klassischen Anleihen sind diese regelhaft mit einem hohen zweistelligen Kupon ausgestattet. Das Risiko bei diesen „Anleihen“ liegt jedoch darin, dass der Emittent (regelhaft eine Bank) am Laufzeitende das Wahlrecht hat den Nominalbetrag zurückzuzahlen oder eine bestimmte Anzahl von Aktien anzudienen. Dies ist abhängig, ob am Bewertungstag der Kurs des gewählten Basiswerts ober- oder unterhalb des vereinbarten Basispreis (Ausübungspreis) liegt. Zusätzlich zu den Vorgenannten Auswahlkriterien ist es bei Aktienanleihen extrem wichtig auf einen möglichst großen Abstand des zugrundeliegenden Aktienkurses zum Basispreis zu achten.

Für die Auswahl einer geeigneten Anleihe hilft der Blick in den Aktienanleihen-Finder der Börse Stuttgart. Hier einfach bei Fälligkeit den Zeitraum 1. bis 16. Januar 2015 eintragen und suchen lassen. Anschließend nach Kuponhöhe absteigend sortieren und los geht die Suche. Ich suche Anleihen die im Brief über 100 Prozent notieren. Das ist für mich der erste Indikator, das der Basispreis noch oberhalb des Ausübungspreises liegt. Hier lacht mich z.B. eine Anleihe auf K+S (WKN: TB46RP) an. Verzinsung liegt bei 13 Prozent, der Kurs der K+S Aktie liegt bei rund 20 Euro und damit 2 Euro bzw. rund 10 Prozent oberhalb des Ausübungspreises. Bewertungstag ist der 16. Januar 2015. Wäre jetzt Ende Dezember 2014 wäre die Anleihe mit einem Briefkurs um die 101 Prozent ein Kauf. Bei den Flachechsen kann ich die Anleihe OTC mit dem Emittenten handeln. Die Kosten hierfür liegen somit bei schlanken 5,90 Euro.

Praxisbeispiel 1 – Zinserträge unter die Freigrenze zur Familienversicherung bringen

Angenommen die Einkünfte des Kindes übersteigen die o.g. Grenze (2014: 395,00 Euro monatlich bzw. 4.740 Euro jährlich +801 Euro Sparerpauschbetrag = 5541 Euro) um 550 Euro.
Wir entscheiden uns für die bereits erwähnte K+S Aktienanleihe und kaufen diese per 19. Dezember 2014 (Valutadatum 23.12.2014) zu einem Kurs von 101 Prozent. Es sind 341 Stückzinstage aufgelaufen. Je 1.000 Euro Nominalwert zahlen wir 121,45 Euro Stückzinsen. Somit müssen wir Anleihen im Nominalwert von 5.000 Euro kaufen. In Summe zahlen wir 607,26 Euro Stückzinsen und liegen damit leicht oberhalb der benötigten 550 Euro. In Summe investieren wir 5.663,16 Euro (5.050,00 Euro Kaufpreis, 607,26 Euro Stückzinsen, 5,90 Euro Bankgebühren).

Nun genießen wir die Weihnachtstage, feiern ordentlich Silvester und begrüßen das neue Jahr 2015. Das neue Börsenjahr entwickelt sich prima, der Kurs der K+S Aktie liegt am Bewertungstag (16.01.2015) weiterhin oberhalb des Ausübungspreises. Am 23.01.2015 erhalten wir Zinsen (650,00 Euro) und Rückzahlung (5.000,00 Euro). Das macht in Summe 5650,00 Euro. Somit haben wir einen kleinen Verlust in Höhe von 13,16 Euro eingefahren. Dies ist bei den sonst zu zahlenden KV-Beiträgen (14,9 Prozent der Bruttoeinnahmen) zu verschmerzen!

Praxisbeispiel 2 – anteilige Konservierung des Sparer-Pauschbetrags

Angenommen die Höhe des nicht ausgenutzten Sparer-Pauschbetrags bei der Flachechsenbank beträgt 600 Euro (Achtung: die Regelung Sparer-Pauschbetrag + Härteausgleich = 1.201 Euro steuerfreie Zinserträge gilt ab 2014 nicht mehr). Wie im ersten Praxisbeispiel auch, suchen wir uns eine Anleihe die Stückzinsen in der entsprechenden Höhe ausweist und noch in diesem Jahr zurückgezahlt wird. Alternativ verkaufen wir die Anleihe noch in diesem Jahr (Verkaufsgebühren beachten). Zusätzlich benötigen wir ein weiteres Depot bei einer anderen Bank.

Wenn wir 5.000 Euro Nominal von o.g. Anleihe mit Valuta 28.11.2014 kaufen, zahlen wir 562,74 Euro Stückzinsen. Der Kaufpreis beträgt wiederum 101 Prozent. Der Kauf erfolgt in unserem Nebendepot bei der X-Bank. Die Zahlung der Stückzinsen führt in diesem Depot zu einem steuerlicher Verlust von 562,74 Euro. Wichtig ist, dass wir keine weiteren Kapitalerträge bei der X-Bank erzielen. Diese würden sonst gleich mit den steuerlichen Verlusten verrechnet.

Gleich nach dem Kauf übertragen wir die Anleihe in unser Haupt-Depot zur Flachechsenbank. Alles in allem dauert die Übertragung etwas, so dass wir mit Valuta 8.12.2014 zu einem Kurs von 101 Prozent (um es zu vereinfachen) wieder verkaufen können. Durch die erhaltenen Stückzinsen schlägt in diesem Depot ein steuerlicher Gewinn von 580,55 Euro zu buche. In Summe liegen die positiven Einkünfte bei der Flachechsenbank im Jahr 2014 bei 780,55 Euro und damit innerhalb des Freibetrags. Die Verluste bei der X-Bank werden stehen gelassen und ins Jahr 2015 vorgetragen – Achtung: keine Verlustbescheinigung anfordern.

Durch eine Erbschaft erzielen wir in 2015 bei der Flachechsenbank Kapitalerträge in Höhe von 2.000 Euro. Am Jahresende 2015 lassen wir uns von der X-Bank eine Verlustbescheinigung ausstellen und können uns über die Steuererklärung einen Teil der gezahlten Kapitalertragssteuer zurückholen. Alternativ legen wir gleich einen Teil des geerbten Geldes bei der X-Bank. Die erhaltenen Zinsen werden automatisch von der Bank mit dem bestehenden Verlustvortrag (562,74 Euro) verrechnet.

Fazit

Der Stückzinstrick ist ein alter Hut, aber ein verdammt nützlicher. Welche Erfahrungen habt ihr damit bereits gesammelt?

Foto: © Thorben Wengert / pixelio.de

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One Response

  1. Geldsack Geldsack 2. Dezember 2014

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