Crowdfunding

In der anhaltenden Niedrigzinsphase sollte der (renditehungrige) Anleihen-Investor auch mal abseits der bekannten Anleihenpfade unterwegs sein. Dividendenaktien sollten es vorerst noch nicht sein. Ich wollte doch erstmal auf der Fremdkapitalgeberseite bleiben.

Als alternatives Fremdkapital-Investments fällt einem als erstes sicherlich das Peer-2-Peer Kreditgeschäft über Plattformen wie z.B. smava, auxmoney etc. ein. Mr. Money Mustache ist mit seinem Investment beim Lending Club Experiment ziemlich erfolgreich, wobei die Renditen im Zeitablauf auch merklich geringer werden. Nach meinen ersten Recherchen habe ich die beiden deutschen Plattformen vorerst ad Acta gelegt. Interessant scheint hier Isepankur (jetzt Bondora) zu sein. Die Firma bietet in vier europäischen Ländern Kredite an, was mit einer entsprechenden besseren Risikostreuung verbunden ist. Denke, dass ich hier in Zukunft ein Konto mit kleinem Geld eröffnen und im Blog darüber berichten werde.

Nachdem ich in der Vergangenheit häufiger über die Projekte / Firmen auf Kickstarter.com gestolpert bin, habe ich immer wieder mal mit dem Gedanken gespielt auch beim Crowdfunding dabei zu sein … wie es der Zufall so will, bin ich Anfang der Woche auf seedmatch.de und hier auf das Funding Angebot der Firma Protonet gestoßen.

Protonet hat sich zum Ziel gesetzt den einfachsten Server der Welt zu bauen. Laut eigenen Angaben bieten die Server „kleinen und mittleren Unternehmen eine besonders einfache Komplettlösung für die wichtigsten Dinge des Arbeitsalltags: im Team und mit Partnern in Projekten kommunizieren, Dateien speichern und austauschen – zu jeder Zeit, von überall.“ Der Vorteil dieser privaten Cloudlösung ist, dass man jederzeit weiß, wo seine Daten physisch liegen. Die aufgenommenen Mittel dienen hauptsächlich dazu den Markteintritt des neuen Servermodells „Maya“ voranzutreiben.

Entscheidet man sich für ein Investment in ein Startup, so erhält das Startup vom Investor einen Kredit in Form eines partiarische Nachrang-Darlehens (Beteiligungsdarlehen). Hierfür erhält der Investor regelhaft einen jährlichen endfälligen Festzins von 1 Prozent, einen gewinnabhängigen, jährlichen Bonuszins sowie einen Bonuszins im Exit- oder Kündigungsfall. Der Anleger kann das Darlehen regelhaft nach 5 Jahren, das Startup regelhaft nach 7 Jahren kündigen.

Soweit so gut … doch wie steht es um die Chancen und Risiken eines solchen Investments?

Crowdfunding Chancen:

Der Investor erwirbt einen Anteil am zukünftigen wirtschaftlichen Erfolg des Startups. Ist das Unternehmen erfolgreich, so zahlt sich das auch für den Investor aus, wie z.B. der Verkauf von WhatsApp an Facebook eindrucksvoll zeigt. Kommt es zu einem Verkauf von mehr als 50 Prozent der Anteile des Startups (Exit) so ist der Investor in Höhe seiner Investmentquote praktisch unbegrenzt am Verkaufserlös beteiligt. Bleibt der Exit aus so erhält der Investor nach Kündigung des Darlehens einen Bonuszins. Der Bonuszins errechnet sich an Hand der individuellen Investmentquote aus dem größerem Betrag von Umsatz oder Gewinn (EBIT) (jeweils multipliziert mit einem individuellen Faktor) im Kündigungsjahr.

Beispiel: Der Investor hat nach einer Investition von 5.000 EUR eine Investmentquote von 0,1 Prozent am Startup erworben. Der Multiplikator für den Gewinn (EBIT) beträgt 8, der für den Umsatz 1,1. Im Jahr der Kündigung beträgt der Gewinn 1 Mio. EUR, der Umsatz 10 Mio. EUR. Der multiple Umsatz (11 Mio. EUR) ist größer als das multiple EBIT (8 Mio. EUR). Der Investor erhält somit eine Auszahlung von 11.000 EUR (11 Mio. EUR x 0,1%).

Crowdfunding Risiken:

Bei einem Beteiligungsdarlehen handelt es sich um eine Investition mit hohem Risiko. Im schlimmsten Fall (Insolvenz des Startups) muss der Investor mit dem Totalverlust des investierten Geldes rechnen. Eine über den Verlust des Darlehensbetrags hinausgehende Haftung, insbesondere eine Nachschusspflicht, besteht nicht.

Ein weiteres Risiko besteht in der Verwässerung der Investmentquote im Zuge weiterer Finanzierungsrunden. Bei einer beispielhaft auf 0,09 Prozent gesunkenen Investmentquote würde der Anleger im obigen Beispiel nur noch eine Auszahlung von 9.900 EUR erhalten.

Die Rückzahlung des Beteiligungsdarlehens erfolgt regelhaft in vier gleichen Vierteljahresraten. Das Startup kann die Rückzahlung, insbesondere wenn es hierdurch zu einer Insolvenz kommen würde, auf einen Zeitraum von 2 Jahren strecken. Regelhaft sind hierfür Verzugszinsen vom Startup zu zahlen.

Fazit:

Trotz der aufgezeigten Risiken habe ich einen Betrag von 2.000 EUR in Protonet investiert (Mindestanlagesumme ist 250 EUR). Hintergrund für diesen „hohen“ Betrag ist, dass der Investor ab dieser Summe einen Maya-Server erhält. Verkaufspreis lt. Protonet ist 1.199 EUR. Damit erhalte ich bereits im ersten Jahr eine Teilrückzahlung in Naturalien ;-). Natürlich werde ich über den Fortgang meines Investments regelmäßig im Blog berichten …

Foto: © S. Hofschlaeger / pixelio.de

Werbung

Leave a Reply