Bilanzbetrug im Hause Penell?

Wer hätte das gedacht – die Penell Anleihen Emission entwickelt sich zu einem richtigen „Wirtschaftskrimi“ 😉 .  Über die Vorgänge rund um die Emission und die plötzlich nicht mehr vorhandenen Sicherheiten für die Anleger hatte ich im Januar bereits berichtet.

Gestern kam der große Paukenschlag. Das Handelsblatt berichtet in seiner Printausgabe aus einem der Redaktion vorliegenden Gutachten der Berliner Wirtschaftsprüfung MSW (gleichzeitig Treuhänder für die Anleihengläubiger). Demnach war Penell bereits seit 2012 in finanziellen Schwierigkeiten und schrieb tiefrote Zahlen. Als ordentlicher (Eigentümer)Geschäftsführer darf man doch darunter finanziell nicht leiden 😉 … die rund 316 TEUR Jahresgehalt an 3 Personen der Familie Penell wurden augenscheinlich weiterhin gezahlt. Schuld an allem soll die ehemalige Geschäftsführerin Waltraud Penell sein. Sie ist die 79 jährige Mutter des jetzigen Geschäftsführers Kurt Penell und im November 2014 aus der Geschäftsführung ausgeschieden. Offenkundig hielt sie bis zuletzt die Zügel fest in der Hand. Es wird kolportiert, das „klein Kurti“ noch nicht mal Zugriff auf den Postkorb gehabt hätte 😉

Die Kupfer-Lagerbestände zum Emissionszeitpunkt der Anleihe sollen nicht in der im Prospekt angegebenen Höhe vorhanden gewesen sein. Die Rede ist von geschönten Zahlen und von nachträglich ergänzten Inventurlisten. Doch warum fällt das dem Treuhänder erst jetzt auf, wo er doch laut Herrn Penell noch im August 2014 einen Kupfer-Warenwert von rund 9 Mio. Euro bescheinigt? Hat man sich hier nur auf die (lt. Handelsblatt) frisierten Zahlen der Penell GmbH verlassen. Sollte man sich nicht als Treuhänder (zumal als Wirtschaftsprüfungsgesellschaft) auch tatsächlich (vor Ort) von der Werthaltigkeit des Vorratsvermögens überzeugen? Laut Handelsblatt scheint dem Treuhänder noch ein weiterer Lapsus unterlaufen zu sein. Das an die Anleihengläubiger verpfändete Warenlager wurde gleich 2 mal verpfändet. Hier werden böse Erinnerungen an die nicht ordentlich eingetragene Schiffs-Hypothek für die MS-Deutschland Gläubiger wach. Somit hat sich mein „Unkenruf“ im Hinblick auf die (nicht)wirksame Bestellung der Sicherheiten für die Anleihengläubiger leider bewahrheitet.

Der Wert des vorhandenen Vorratsvermögens beläuft sich wohl tatsächlich auf die vom Treuhänder bereits im Januar bekanntgemachten 2,3 Mio. Euro. Wobei auf den „Kupferschatz“ nur rund 600 TEUR entfallen sollen. Die DZ-Bank (als wohl rechtmäßige Eigentümerin) hat bereits ihren Anspruch auf das komplette Warenlager geltend gemacht. Aus meiner Sicht werden die Anleihengläubiger hier leider leer ausgehen, da die 2. Verpfändung an die Anleihengläubiger rechtswidrig war und damit nicht zum Tragen kommt. Bleibt zu hoffen, dass die noch im Januar an den Treuhänder übertragenen Anteile an der Synchro Plus GmbH (eine Wirksame Übertragung vorausgesetzt) einigermaßen werthaltig sind – sprich hier nicht an den Bilanzzahlen „frisiert“ wurde …

Fazit

Persönlich hatte ich mehr Glück als Verstand – meine Kauflimits (20 und 7 Prozent) wurden nicht ausgeführt. In solchen (augenscheinlichen) Betrugsfällen über eine Quote für die Anleihengläubiger zu spekulieren ist mehr als Kaffeesatz-Leserei! Es bleibt zu hoffen, dass sich die Anleihengläubiger an anderen Beteiligten (Treuhänder, Wirtschaftsprüfer, Vermögen der Familie Penell) „schadlos“ halten können. Dies wird -wenn überhaupt- erst nach einem langen Rechtsstreit möglich sein …

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Foto: © Thorben Wengert / pixelio.de

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