Basiswissen Anleihen (Teil 3)

Nach dem im ersten Beitrag die typischen Merkmale einer Anleihe aufgezeigt wurden, ging es im zweiten Beitrag um Vorteile und Nachteile (Risiken) eines Anleiheninvestments. Im heutigen (dritten und letzten) Beitrag zum Thema „Basiswissen Anleihen“ werden die unterschiedlichen Arten von Anleihen vorgestellt. Anleihen mit Optionsrechten (z.B. Aktienanleihen) bleiben hier bewusst unberücksichtigt.

Klassifizierung an Hand der Zinsausstattung

Anleihen lassen sich anhand ihrer Merkmale unterscheiden. Bei den Unterscheidungskriterien sind regelhaft kaum Grenzen vorhanden.

Standardanleihe mit fixem Kupon

Auch Kuponanleihe oder neudeutsch Plain-Vanilla-Bonds genannt, sind mit einem über die gesamte Laufzeit fixen Zinskupon ausgestattet. Die Zinszahlung erfolgt in 3, 6 oder 12 Monatsintervallen. Bei europäischen Anleihen erfolgt regelhaft eine jährliche Zinszahlung, bei US-Dollar Anleihen werden die Zinsen regelhaft mindestens alle 6 ausbezahlt. Die Rückzahlung erfolgt am Ende der Laufzeit.

Nullkuponanleihe

Bei einer Nullkuponanleihe erfolgt keine laufende Zinszahlung. Zins und Tilgung werden am Laufzeitende in einer Summe gezahlt. Die Verzinsung für den Investor ergibt sich aus der Differenz zwischen Emissions- und Tilgungskurs. Investoren, die auf laufende Erträge angewiesen sind sollten daher nicht in diese Art Anleihen investieren. Im Insolvenzfall besteht ferner das Risiko, neben dem investierten Kapital auch den Zinsanspruch zu verlieren.

Anleihen mit variablem Kupon

Die Verzinsung dieser Anleihen erfolgt in Abhängigkeit von einer festgelegten Basis (z.B. Inflationsrate) bzw. einem festgelegten Basiszinssatz (z.B. Euribor). Der zu zahlende Zinssatz wird im Emissionsprospekt beispielhaft wie folgt angegeben 12 Monatseuribor + 210 Basispunkte. Aktuell entspräche dies einer jährlichen Verzinsung von rund 2,6 Prozent. Eine Anpassung der Zinsen erfolgt regelhaft zu jeder Zinszahlung. Ferner können diese Anleihen über eine Zinsuntergrenze (Floor) und über Zinsobergrenze (CAP) verfügen. So zahlt die Postbank Funding Trust Anleihe (A0DHUM) mindestens 3,75 Prozent und maximal 10 Prozent Zinsen p.a. Mit dieser Art Anleihe lässt sich das bestehende Zinsänderungsrisiko entsprechend absichern.

Stufenzinsanleihen

Auch bei dieser Anleihe ändert sich der Zinskupon während der Laufzeit. Allerdings erfolgt die Zinsänderung nicht in Abhängigkeit der aktuellen Referenzzinssätze, sondern zu den bei Emission festgelegten Konditionen. Diese sogenannte Zinstreppe kann im Zeitverlauf aufsteigend (Zinsaufschlag) oder absteigend (Zinsabschlag) sein.

Pay-in-Kind-Anleihen

Bei Pay-in-Kind-Anleihen, kurz PIK-Anleihen hat der Emittent die Wahlmöglichkeit, die Zinszahlung entweder in bar oder in anderer Form zu zahlen. Regelhaft geschieht dies durch die Ausgabe neuer Anleihen. Ähnlich wie bei einer Nullkuponanleihe werden Zins und Tilgung am Laufzeitende in einer Summe gezahlt. Investoren, die auf laufende Erträge angewiesen sind sollten daher nicht in diese Art Anleihen investieren. Im Insolvenzfall besteht ferner das Risiko neben dem investierten Kapital auch den Zinsanspruch zu verlieren.

Anleihen mit Step-Up-Kupon

Bei diesen Anleihen ist die Höhe der Zinszahlung abhängig vom der Einhaltung bestimmter Bedingungen. Regelhaft wird hierbei die Einhaltung eines bestimmten Mindestratings vereinbart. Fällt das Rating z.B. unterhalb das sogenannten Investment Grade so steigt der Zins dieser Anleihe und umgekehrt.

Klassifizierung an Hand von Rang und Besicherung

Besicherte Anleihe

Im Unterschied zu Standardanleihen sind die Forderungen des Investors aus diesen Anleihen dinglich besichert. Die wohl bekannteste Form dieser Anleihe ist der Pfandbrief. Diese sind mit „Grund und Boden“ besichert. Im Insolvenzfall sollte es hierbei zu keiner Vermögenseinbuße beim Investor kommen.

Nachrangige Anleihen

Standardanleihen sind regelhaft erstrangige Verbindlichkeiten. Im Insolvenzfall werden diese Wertpapiere „bevorzugt“ bedient. Inhaber nachrangiger Anleihen lassen sich das höhere Risiko im Insolvenzfall durch einen höheren Kupon bezahlen.

Unterformen der nachrangigen Anleihen

Hybridanleihen oder „ewige“ Anleihen sind eigenkapitalähnliche, nachrangige Unternehmensanleihen mit sehr langer Laufzeit (z.B. 60 oder 100 Jahre) bzw. ganz ohne Laufzeitbegrenzung. Regelhaft können diese Anleihen zu einem vorher festgelegten Termin vom Emittenten gekündigt werden. Ferner können die Zinszahlungen unter bestimmten Umständen (z.B. Verschuldungs- oder Eigenkapitalquoten) aufgeschoben (kumulativ) oder ausfallen (nicht kumulativ). Im Insolvenzfall werden Hybridanleihen unter den nachrangigen Verbindlichkeiten zuletzt bedient. Beispielhaft sei hier die Linde Nachranganleihe (A0GVN0) mit einer Laufzeit von 60 Jahren genannt. Hierfür sind bis zum ersten Kündigungstermin 7,35 Prozent Zinsen zu zahlen. Für eine vergleichbare erstrangige Anleihe (A0NTUK) muss Linde nur 4,75 Prozent Zinsen zahlen.

Genussscheine sind, ähnlich wie die Hybridanleihen, eigenkapitalähnliche, nachrangige Unternehmensanleihen. Sie haben jedoch eine feste Laufzeit. Die Zahlung der vereinbarten Verzinsung ist vom Vorhandensein eines Jahresüberschusses oder eines Bilanzgewinns abhängig. Weiterhin nehmen die Genussscheine bis zur Höhe des Kapitaleinsatzes am Verlust (Jahresfehlbetrag oder Bilanzverlust) teil. Aufgeschobene Zinszahlungen sind während der Laufzeit regelhaft nachzahlbar (kumulativ) Gleiches gilt für den Fall einer verlustbedingten Nennwertherabsetzung. Zu guter Letzt erfolgt bei Genussscheinen keine Stückzinsberechnung. Die aufgelaufene Verzinsung spiegelt sich somit im Kurswert wieder.

Klassifizierung an Hand der Emittenten

Staatsanleihen

Schuldverschreibungen, die von Staaten oder staatlichen Körperschaften herausgegeben werden bezeichnet man als Staatsanleihen. Anleihen (west)europäischer Staaten galten in der Vergangenheit als sicherer Hafen der Geldanlage. Mit Blick auf die Griechenlandumschuldung im Jahr 2012 erscheint das für die Zukunft doch fragwürdig. Anleger müssen sich auch bei einer Investition in Staatsanleihen stets darüber im Klaren sein, dass man sich höhere Rendite immer mit einem höheren Risiko erkauft.
Eine Unterform der Staatsanleihen sind die sogenannten „Emerging Markets Bonds“. Diese werden von Staaten aus den „aufstrebenden Nationen“ mittel- und Südamerikas sowie Asiens emittiert. Die erzielbaren Renditen (aber auch die Risiken) sind regelhaft (weit) größer als bei Staatsanleihen aus der „westlichen Welt“.

Unternehmensanleihen

Werden Schuldverschreibungen von Unternehmen herausgegeben, so bezeichnet man diese als Unternehmensanleihen. Regelhaft rentieren Unternehmensanleihen höher als vergleichbare Staatsanleihen.

Ramschanleihen

Emittieren Unternehmen mit (sehr) schlechter Bonität Anleihen, so bezeichnet man diese als Ramschanleihen (Junk Bonds). Da das Adressausfallrisiko (sprich Insolvenzrisiko) bei diesen Emittenten entsprechend hoch ist, sind diese Anleihen mit einem hohen Zinskupon (High Yield) versehen. Junk Bonds sind das Renditesalz in der Anlegersuppe, nur sollte man davon niemals zu viel ins Depot packen. Zudem empfiehlt sich eine engmaschige Überwachung. Alternativ zu einem Direktinvestment bietet sich hier eine Investition via ETF (z.B. iShares Euro High Yield – A1C8QT) an.

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One Response

  1. Henrik 26. Juni 2014

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