Basiswissen Anleihen (Teil 2)

Nach dem im ersten Beitrag die typischen Merkmale einer Anleihe aufgezeigt wurden, geht es im heutigen Beitrag zum Thema „Basiswissen Anleihen“ um Vorteile und Nachteile (Risiken) eines Anleiheninvestments.

Vorteile:

Im Vergleich zu Aktien gelten Anleihen im Allgemeinen als weniger Risikobehaftet. So lässt sich insbesondere mit besicherten Anleihen (Hypothekenpfandbriefen und Hypothekenanleihen) eine (wenn derzeit auch geringe) Rendite oberhalb des aktuellen Geldmarktzins erzielen, ohne dass einem dabei die berühmten „grauen Haare“ wachsen.

Ein weiterer Vorteil eines Anleiheninvestments ist, dass die Zahlungsströme (von Stör- und Sonderfällen einmal abgesehen) bekannt sind. Der Anleger weiß genau, wann er welche Zins- und Tilgungszahlungen erhält. Somit kann sich der Anleger genau die Anleihe heraussuchen, die zu seinem Anlagehorizont passt. Ferner erhält der Anleger regelmäßige Zinszahlungen und kann daraus z.B. seine laufenden Ausgaben bestreiten. Gerade dieser Aspekt macht ein Anleiheninvestment für einen (zukünftigen) Privatier interessant.

Nachteile (Risiken)

Natürlich gibt es bei einem Anleiheninvestments auch Risiken. Diese sollte der geneigte Anleger kennen und bewusst damit umgehen. Im Folgenden gehe ich auf die wesentlichen Risiken ein, bewerte diese (aus meiner Sicht) und zeige mögliche Handlungsoptionen auf.

Emittentenrisiko

Die Zahlungsunfähigkeit bzw. -unwilligkeit eines Schuldners ist der Super Gau eines jeden Anleiheninvestors. Diese Erfahrung mussten in den letzten beiden Jahren viele Investoren der sogenannten Mittelstands Anleihen machen. Laut einem FAZ-Artikel sind derzeit „21 Anleihen von insgesamt knapp 120 Mittelstandspapieren notleidend geworden, werden also nicht mehr (ordentlich) bedient“. Aber nicht nur Unternehmensanleihen können ausfallen sondern auch Staatsanleihen, wie die Beispiele aus Argentinien (2002) und Griechenland (2010) belegen.

Glück im Unglück hat der Anleger, wenn es „nur“ zu einer Laufzeitverlängerung sowie zum Aufschub von Zinszahlungen kommt. Eine nächste Eskalationsstufe wird erreicht, wenn die Höhe der vereinbarten Zinszahlung reduziert wird. Weiter geht’s mit der Kürzung des Nominalwertes (auch Haircut genannt) über den (teilweisen) Tausch in Eigenkapital (Ausgabe neuer Aktien) bis hin zu einer Miniquote bzw. Totalverlust im Insolvenzverfahren.

Meine persönlichen Erfahrungen haben gezeigt, dass man als Anleger „der Ersten Stunde“ bei einer Anleihenrestrukturierung mit Kapitalverlusten rechnen muss. Gewinne können sich dagegen bei einem (wohlüberlegten) „Griff ins fallende Messer“ ergeben. Von daher verkaufe ich solche Krisenkandidaten sehr schnell und steige zu einem späteren Zeitpunkt ggf. wieder ein.

Zinsänderungsrisiko

Das Zinsänderungsrisiko ist nach dem Emittentenrisiko das zweitgrößte Risiko für einen Anleiheninvestor.

Ändert sich der Geldmarktzins, so wirkt sich das auf die Kursentwicklung einer Anleihe aus. Als Faustformel sollte man sich merken: steigende Zinsen bedeuten fallende Anleihenkurse. (Umgekehrt gilt: fallende Zinsen bedeuten steigende Anleihenkurse.) Ursache hierfür ist, dass sich die Rendite einer Anleihe in Abhängigkeit vom (risikolosen) Geldmarktzins bestimmt. Mittels Aufschlag auf den Geldmarktzins wird (hauptsächlich) das Emittentenrisiko eingepreist.

Einfaches Beispiel: Der Geldmarktzins liegt bei 3 Prozent. Der Emittent hat seine Anleihe mit einem Zinskupon von 5 Prozent versehen. Der Emissionskurs ist 100 Prozent. Steigt der Geldmarktzins auch auf 5 Prozent, ist natürlich kein Anleger mehr bereit ein risikobehaftetes Investment zum gleichen Zinssatz einzugehen. Da der Zinskupon in der Regel unveränderbar ist, muss sich der Kurswert der Anleihe reduzieren um wieder einen gewissen Abstand zum Geldmarktzins herzustellen. Fällt der Kurswert der Anleihe auf 80 Prozent, so beträgt die laufende Verzinsung der Anleihe 6,25 Prozent und liegt damit wieder oberhalb des Geldmarktzinses. Mathematisch korrekt abbilden kann man diesen Effekt mittels der sogenannten Duration.

Eine Änderung des Geldmarktzinses macht sich insbesondere bei lang laufenden Anleihen im Kurswert (positiv wie negativ) bemerkbar. Aus diesem Grund sollte man Langläufer in Zeiten steigender Zinsen nur in geringer Dosis im Depot berücksichtigen. Diese Zeiten scheinen momentan jedoch in ferner Zukunft zu liegen. Bei einem Leitzins von aktuell 0,15 Prozent freut man sich über jedes Jahr, in dem man Zinsen von 5 Prozent und mehr kassiert. Sollte es jedoch zu einer (nachhaltigen) Trendwende kommen muss man den Finger am Abzug haben und zunächst in Kurzläufer umschichten. Denn wer möchte schon eine 5 prozentige Unternehmensanleihe haben, wenn man auf einen Bundesschatzbrief 7 Prozent bekommt ;-)?

Eine Möglichkeit dieses Risiko zu reduzieren, ist die Investition in variabel verzinsliche Anleihen. Der zu zahlende Zinskupon bestimmt sich hier in Abhängigkeit vom Geldmarktzins und wird regelhaft zu jedem Zinszahlungstermin angepasst.

Währungsrisiko

Wenn der geneigte Anleger abseits der (renditearmen) Europfade unterwegs ist, kommt zu den beiden vorgenannten Risiken noch das Währungsrisiko hinzu. Wer sich beispielsweise eine mit 10,5 Prozent verzinste Anleihe der Europäischen Investitionsbank in Brasilianischen Real ins Depot legt, der sollte die Wechselkursentwicklung genau verfolgen. Sonst droht am Ende eine Rendite auf Tagesgeldniveau oder schlimmeres.

Reduzieren kann man diese Risiko durch eine entsprechende (ggf. auch nur teilweise) Währungsabsicherung – die jedoch auf Kosten der Rendite geht.

Persönlich vermeide ich momentan dieses Risiko. In Zeiten niedriger Zinsen werde ich mich wohl zukünftig auch mit diesem Thema befassen (müssen).

Liquiditätsrisiko

Wer illiquide bzw. marktenge Anleihen kauft, sollte sich bewusst sein, das er im Krisenfall hier ggf. nur mit großen Kursabschlägen verkaufen kann.

Der geneigte Anleger hat aus meiner Sicht hier nur zwei Alternativen: entweder eingehen (und eine temporäre Krise aussitzen) oder komplett vermeiden.

Inflationsrisiko

Der Feind eines jeden Anlegers ist die Inflation. Liegt die Verzinsung einer Anleihe unterhalb der Inflationsrate, erfolgt eine Geldvernichtung. Steigende Inflationsraten gehen (mittelfristig) mit steigenden Zinsen einher.

Eine Möglichkeit diesem Risiko zu begegnen ist die weiter oben bereits erwähnte Investition in variable verzinsliche Anleihen. Ferner gibt es spezielle inflationsindexierte Anleihen. Die Höhe des Zinskupons richtet sich hier nach der Höhe der Inflationsrate.

Kündigungs- und Wiederanlagerisiko

Bestimmte Anleihen weisen ein Emittentenkündigungsrecht auf. Eine zu Beginn relativ hoch verzinste Anleihe kann z.B. nach 3 Jahren zum Kurswert von 101 Prozent gekündigt werden. Sollte sich das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt günstiger refinanzieren können, wird es die anleihe kündigen und durch eine niedriger verzinste Anleihe ersetzen. Der Anleger erhält schneller sein Geld zurück, was zunächst natürlich positiv ist. Jedoch ist der Anleger nun wieder auf der Suche an einer vergleichbar verzinsten Alternative.

Auch dieses Risiko kann der geneigte Anleger aus meiner Sicht entweder eingehen oder komplett vermeiden. Aufpassen sollte man jedoch beim Kauf einer Anleihe mit Kündigungsoption im Vorfeld eines Kündigungstermins. Hierbei kann aus einem gedachten Schnäppchen schnell ein Verlustgeschäft werden. So wurde dem unbedarften Anleger die im Mai 2014 zu 105,82 Prozent zurückgezahlte Schaeffler Anleihe (A1G6WT) 4 Wochen vorher noch zu Kursen um 106 Prozent verkauft.

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